Vom Eisenbahner zum Raumfahrer

Ich bin im Pfinztal in einem verschlafenen kleinen Dorf nahe Karlsruhe geboren und aufgewachsen. Meine Großeltern erlebten noch, wie dort erstmals Strom aus der Steckdose kam. Mein Vater war bei der Bahn und half anfangs, den Schwarzwald für die Eisenbahn zu erschließen. Ich ging zunächst auch zur Bahn und durfte später dagegen erleben - und teilweise mit gestalten - wie unser Planetenraum mit Hilfe von Raumsonden gekreuzt wurde: Helios, Voyager, Cassini-Huygens, Giotto, Rosetta, LDEF - um nur einige zu nennen.

Nach meiner Lehre als Facharbeiter für Maschinenbau holte ich die Mittlere Reife und das Abitur auf der Technischen Oberschule in Karlsruhe nach, hatte dann als Kernphysiker an der Universität Heidelberg Einblicke in den Mikrokosmos und promovierte in Astronomie mit Einblicken in den Makrokosmos. Mit meiner Doktorarbeit am Max-Planck-Institut gelang der erste Nachweis von Mikrometeoriten geringer Dichte anhand der deutsch-amerikanischen Sonnensonde Helios; Abbildung 1.

 

Helios

Abbildung 1: Integration der deutsch-amerikanischen Sonnensonde Helios in die Fairing der Titan-Centaur
Credit: NASA

 

Das Mikrometeoriten-Experiment auf der Sonnensonde Helios. Dabei wurde ich auch mit der Komplexität weltraumbasierter Systeme konfrontiert: Ein Mechanismus des von meinem Doktorvater Prof. Dr. Eberhard Grün verantworteten Instruments sollte die Öffnung des sogenannten Ekliptiksensors freigeben. Aber trotz langen Wartens kam keine Signal zur Bestätigung des Vorgangs bei der Bodenstation an. Man stand hilflos vor der Unsicherheit, ob der Deckel nun abgesprengt war und nur das Signal zur Bestätigung ausblieb, oder ob unser wunderbar funktionierendes Instrument wegen verschlossener Öffnung nutzlos geworden ist  - bis endlich das erlösende erste Teilchen registriert wurde! Mit meiner lieben Frau, die damals auch in Heidelberg studierte, waren wir wiederholt im Deutschen Raumfahrt-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen, um live bei Periheldurchgängen der Raumsonde als Erste auf Daten zu blicken, die zuvor kein Mensch gesehen hat. Aufregung und Spannung ohne Ende! Als Kondensat meiner Arbeit entstand die sogenannte "Pailer-Grün - Formel", die eine zu erwartende Kratertiefe in Abhängikeit von sämtlichen physikalischen Größen von Projektil und Target beinhaltete.

Meine Zeit als wissenschaftlicher Assistent am Max-Planck-Institut für Kernphysik, Abteilung Kosmochemie, in Heidelberg wurde unterbrochen durch eine Einladung als Visiting Research Associate am McDonnell Space Center der Washington University in St. Louis, Missouri in den USA zur Entwicklung und dem Bau eines Weltraumexperiments auf der Long Duration Exposure Facility LDEF. Nach meiner Rückkehr ans MPI in Heidelberg wechselte ich 1983 in die Raumfahrt-Industrie. 

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